Die erste richtige Woche dieses Projekts war interessant.
Nicht weil sie spektakulär war.
Sondern weil mir langsam klar wurde:
Das Ganze wird deutlich komplexer als einfach „mehr Cardio machen“.
Ich komme aus einer Ecke, in der Probleme oft relativ simpel gelöst wurden:
- härter trainieren
- mehr machen
- mehr Druck.
Beim Ironman funktioniert das nur begrenzt.
Vor allem wenn man:
- knapp 95 kg wiegt
- Krafttraining behalten will
- und beim Schwimmen aussieht wie ein leicht panischer Betonblock.
Die Woche im Überblick
Die Woche bestand ungefähr aus:
- Laufen
- Radfahren
- Schwimmen
- Tischtennis
- Krafttraining
- Arbeit
- und dem Versuch, dabei nicht komplett gegen die Wand zu fahren.
Also eigentlich exakt das Chaos, das man von einem Hybrid-Athleten erwartet.
Das erste große Thema: Schwimmen
Das Schwimmen war wahrscheinlich der größte Realitätsschock.
Ich konnte zwar irgendwie Bahnen überleben.
Aber „kontrolliert kraulen“ wäre eine sehr kreative Beschreibung gewesen.
Mein Hauptproblem:
Ich habe jede Bahn behandelt wie ein 100-Meter-Finale bei Olympia.
Das Ergebnis:
- hoher Puls
- Atemnot
- komplette Verkrampfung
- pure Ineffizienz.
Besonders frustrierend:
Selbst wenn ich langsamer schwimmen wollte, war ich kaum langsamer.
Irgendwann wurde klar:
Im Wasser gewinnt nicht derjenige, der am härtesten kämpft.
Sondern derjenige, der möglichst ruhig und effizient arbeitet.
Leider ist „ruhig bleiben“ ungefähr das Gegenteil meiner natürlichen Trainingsphilosophie.
Das zweite große Thema: Zone 2 und mein Ego
Laufen und Radfahren liefen grundsätzlich okay.
Aber:
Zone 2 mit fast 95 kg ist eine interessante Erfahrung.
Man bewegt sich gefühlt in Zeitlupe.
Der Puls dagegen verhält sich teilweise, als würde man vor einem Bären fliehen.
Das Schwierige daran ist weniger die körperliche Belastung.
Sondern das Ego.
Man denkt ständig:
„Das müsste doch lockerer gehen.“
Tut es aber aktuell nicht.
Und genau das musste ich diese Woche akzeptieren:
Meine Ausdauer ist besser als meine Effizienz.
Das ist ein Unterschied.
Überraschend positiv: Die Belastungsverträglichkeit
Trotzdem gab es auch positive Erkenntnisse.
Ich merke immer stärker:
Die alte Ausdauerbasis ist nicht komplett verschwunden.
Die:
- Alpenüberquerung
- langen Radtage
- Halbmarathon-Vorbereitung
- langen Belastungen
haben offensichtlich Spuren hinterlassen.
Denn obwohl ich aktuell weit von „Ironman-fit“ entfernt bin, kann mein Körper trotzdem relativ viel Belastung tolerieren.
Das ist wahrscheinlich einer der wichtigsten Gründe, warum dieses Projekt überhaupt realistisch sein könnte.
Krafttraining bleibt wichtig
Das Krafttraining bleibt weiterhin Teil des Projekts.
Aber auch dort verändert sich gerade die Denkweise.
Früher war die Frage oft:
„Wie werde ich stärker?“
Jetzt lautet sie eher:
„Wie werde ich effizienter, ohne komplett schwach zu werden?“
Das ist mental tatsächlich schwieriger als erwartet.
Denn irgendwann muss man akzeptieren:
Für Langdistanz ist mein aktuelles Gewicht schlicht zu hoch.
Nicht katastrophal.
Aber ineffizient.
Und genau dort entsteht gerade der eigentliche Hybrid-Konflikt:
- Gewicht reduzieren
- Ausdauer verbessern
- Kraft möglichst behalten.
Die wichtigste Erkenntnis der Woche
Der Ironman wird vermutlich nicht daran scheitern, dass ich nicht hart genug arbeiten kann.
Sondern eher daran:
ob ich lerne,
- kontrolliert zu trainieren
- intelligent zu regenerieren
- und nicht jede Einheit unnötig eskalieren zu lassen.
Das klingt weniger heroisch.
Ist aber wahrscheinlich deutlich wichtiger.
Fazit der Woche
Die erste Woche hat vor allem eines gezeigt:
Ich bin aktuell kein Triathlet.
Aber ich bin auch kein kompletter Anfänger mehr.
Irgendwo zwischen:
- Kraftsportler
- Ausdauerathlet
- schwerem Hobbyläufer
- und leicht überfordertem Schwimmanfänger
beginnt gerade langsam dieses Projekt Form anzunehmen.
Und ehrlich gesagt:
Genau das macht es interessant.