Woche 3 – Das gefährlichste Gefühl im Ausdauersport: „Mir geht’s doch gut“
Diese Woche war interessant.
Nicht weil ich komplett zerstört war.
Nicht weil ich irgendwelche epischen Intervalle gemacht habe.
Nicht weil David Goggins plötzlich aus dem Gebüsch kam und mich angeschrien hat.
Sondern genau andersrum.
Mir ging’s gut.
Und das ist im Ausdauersport wahrscheinlich deutlich gefährlicher als komplett zerstört zu sein.
Die Woche war eigentlich ziemlich normal
Ein bisschen Rad.
Ein bisschen Schwimmen.
Krafttraining.
Tischtennis.
Lockerer Lauf.
Nichts davon war komplette eskalation.
Und trotzdem merkt man langsam:
Der Körper fängt an sich anzupassen.
Meine Werte entwickeln sich gerade überraschend stabil:
- Ruhepuls sinkt langsam
- HRV steigt
- Beine fühlen sich besser an
- Belastung wird besser toleriert.
Das Verrückte:
Ich bin immer noch weit weg von „Triathlet“.
Ich wiege immer noch über 95 kg.
Mein Hüftspeck diskutiert weiterhin aktiv gegen den Ironman-Plan.
Und beim Schwimmen sieht manches immer noch aus wie ein kontrollierter Beinahe-Notfall.
Aber:
Das System wird stabiler.
Die lockere Laufeinheit war wahrscheinlich wichtiger als gedacht
Ich bin diese Woche knapp 60 Minuten locker gelaufen.
7,5 km.
Pace knapp über 8:00.
Durchschnittspuls 145.
Und das eigentlich Interessante:
Vor ungefähr drei Wochen bin ich eine ziemlich ähnliche Einheit gelaufen.
Ähnliche Distanz.
Ähnliche Pace.
Aber damals lag die Herzfrequenz eher bei ungefähr 165 bpm.
Das ist schon verrückt wenn man das nebeneinander sieht.
Gleiche langsame Jogger-Optik.
Aber plötzlich 20 Schläge weniger Puls.
Genau das sind wahrscheinlich diese unspektakulären Anpassungen, die man im Alltag kaum merkt.
Man fühlt sich nicht plötzlich wie ein Profi.
Man fliegt nicht magisch Berge hoch.
Man sieht auch nicht plötzlich aus wie ein Kenianer.
Aber der Körper arbeitet effizienter.
Und ehrlich:
Das motiviert mich aktuell deutlich mehr als irgendein völlig zerstörendes Intervalltraining.
Früher hätte ich die Einheit schlecht gefunden
Vor ein paar Wochen hätte mein Gehirn gesagt:
„Ja toll. Schneckentempo.“
Mittlerweile verstehe ich langsam:
Genau solche Einheiten bauen wahrscheinlich den späteren Marathon.
Nicht heroisches Geballer.
Nicht jedes Mal komplett ans Limit.
Sondern:
ruhig,
kontrolliert,
wiederholbar.
Die Herzfrequenz blieb erstaunlich stabil.
Keine komplette Eskalation Richtung 170+.
Keine völlige Zerstörung der Lauftechnik nach 30 Minuten.
Und ehrlich:
Für ~95 kg Körpergewicht ist das gerade wahrscheinlich deutlich wertvoller als irgendwelche halb aggressiven Tempoeinheiten.
Krafttraining bleibt drin. Punkt.
Diese Woche gab es auch Krafttraining:
- Bankdrücken 70 kg x5
- Chin-Ups mit ~95 kg Körpergewicht x5
- Schrägbank Kurzhantel
- Rudern
- Seitheben
- Ab Wheel
Nichts Weltbewegendes. Aber genau das ist der Punkt.
Das wirklich Gefährliche
Das Problem aktuell ist nicht fehlende Motivation.
Eher das Gegenteil.
Die Woche war nicht brutal hart.
Die Werte sehen gut aus.
Die Beine fühlen sich gut an.
HRV steigt.
Ruhepuls stabil.
Und plötzlich kommt dieses Gefühl:
„Eigentlich könnte ich heute nochmal ordentlich ballern.“
Genau da wird’s wahrscheinlich gefährlich.
Weil mein Herz-Kreislauf-System vermutlich mehr kann als:
- Füße
- Sehnen
- Knie
- passive Strukturen.
Der Kopf denkt:
„Läuft.“
Die Füße erinnern sich noch an den Megamarsch und sagen:
„Mach langsam Kollege.“
Das größte Learning diese Woche
Nicht jede gute Einheit muss sich brutal anfühlen.
Das fällt mir ehrlich gesagt schwer zu akzeptieren.
Ich komme eher aus der Richtung:
- durchbeißen
- mehr machen
- härter machen
- noch eine Einheit drauf.
Aber Ironman-Training scheint eher zu sein:
- ruhig bleiben
- konstant bleiben
- gesund bleiben
- monatelang trainieren können.
Leider deutlich weniger romantisch als komplette Selbstzerstörung.