Woche 7 – Ausreden schwimmen nicht

Woche 7 – Irgendwann habe ich aufgehört zu zählen

Wenn ich an diese Woche zurückdenke, denke ich nicht an den Long Run. Nicht an das Radfahren. Nicht an das Krafttraining.

Ich denke an eine Stunde im Wasser.

Eigentlich begann die Woche wie viele andere auch. Training zwischen Arbeit, Terminen und dem normalen Wahnsinn des Alltags. Nichts Besonderes. Ein langer Lauf, etwas Radfahren, am Samstag Technikschwimmen, Krafttraining. Die Art von Woche, die man abhakt und weitermacht. Bis auf die wunden Oberschenkel – die hatte ich noch ein bis zwei Tage.

Dann kam der Sonntag. Vom Samstag geprägt, war Schwimmen immer noch meine größte Angst und Unbekannte. Ich war mir unsicher: Wie viel Schwimmen muss ich jetzt im Sommer raushauen? Oder bin ich einfach zu doof dafür? Sind 3,8 km vielleicht unmöglich?

Ich stieg ins Wasser und hatte einen großen Plan:

Einfach schwimmen.

Mit der Motivation vom Bademeister in Crumbach im Kopf.

Zitat:

„Ab einer Stunde Schwimmen gibt es ein Totenkopf-Abzeichen.“

Mein Entschluss stand fest:

ICH WERDE PIRAT!

^^ Sau dumm, aber mich motiviert so ein Scheiß trotzdem.

Vor ein paar Wochen wäre das noch anders gewesen. Da bestand jede Einheit aus kleinen Verhandlungen mit mir selbst.

Noch eine Bahn.

Noch eine Bahn.

Hoffentlich komme ich bis zur nächsten Wand.

Damals haben mich 100 Meter Kraulen zerlegt.

Damit meine ich nicht im übertragenen Sinn, sondern wirklich zerlegt. Puls hoch auf 195. Mein Maximalpuls liegt bei 203.

Und genau deshalb war Schwimmen die Disziplin, die mir im Kopf immer hinterhergelaufen ist. Laufen konnte ich einschätzen. Krafttraining sowieso. Aber beim Schwimmen hatte ich keine Ahnung, wo die Reise hingeht.

Also schwamm ich.

Eine Bahn.

Noch eine.

Dann noch eine.

Irgendwann hörte ich auf zu zählen. Garmin sei Dank zählte die Uhr weiter.

Die ersten Bahnen waren zu schnell, die Atemkontrolle zu schlecht.

Ruhiger.

Langsamer.

Kontrollierter.

Die Technik kam zurück. Die Ruhe auch. Es fühlte sich sauber an. Die Atmung ruhig. Nichts Besonderes. Kein magischer Moment. Kein plötzlicher Energieschub.

Etappe 1:

1500 m geschafft.

Neuer persönlicher Rekord.

Nächstes Ziel: 1800 m – Ironman-Halbdistanz.

40 Minuten im Wasser.

1800 m geschafft.

Und genau jetzt kam das Verrückte.

Hatte ich Lust, weiterzumachen?

Nein.

Wollte ich aufhören?

Ja.

Warum?

Weil 40 Meter auf den Beckenboden schauen, ohne Musik, ohne Ablenkung, nur mit Wasser um einen herum, für mich immer noch komplett ungewohnt sind.

Aber wenn ich eines kann, dann mich durchbeißen.

Also weiter.

Abschalten.

Bahn für Bahn.

Stück für Stück.

Ich höre auf, wenn es wirklich nicht mehr geht.

Und es ging noch.

Ich wusste, dass ich noch nicht erschöpft genug war, um aufzuhören.

Scheiß drauf.

Ich mache weiter.

Eine Stunde ist drin.

Während ich Bahn für Bahn zog, fiel mir irgendwann auf, dass die Gedanken verschwanden, die vorher noch da waren.

Kein:

„Wie weit noch?“

Willkommen in The Zone.

Die letzten 22 Minuten.

Einfach schwimmen.

Als ich schließlich auf die Uhr schaute, musste ich kurz überlegen, ob das überhaupt stimmen konnte.

2576 Meter.

56 Bahnen.

Persönlicher Rekord.

Die längste Schwimmeinheit meines Lebens.

Und das Beste daran?

Ich war nicht fertig.

Es wäre noch etwas gegangen.

Das Problem war nur:

Mein Ziel war das Totenkopf-Abzeichen und nicht die Langdistanz.

Natürlich war ich müde. Natürlich hatte ich gearbeitet. Aber dieses Gefühl, komplett leer zu sein, war nicht da.

Hätte mich jemand gefragt, ob noch ein paar hundert Meter gegangen wären, hätte ich mit Ja geantwortet.

Auf dem Heimweg musste ich darüber lachen.

Vor ein paar Wochen war die größte Sorge im gesamten Projekt das Schwimmen.

Die Frage war nie, ob ich einen Marathon laufen kann oder ob ich mich auf dem Rad verbessern kann.

Ich wusste, da kann ich mich durchbeißen.

Die Frage war:

Wie zum Teufel soll ich jemals 3,8 Kilometer schwimmen?

Zum ersten Mal habe ich darauf eine ehrliche Antwort.

Gar nicht so kompliziert.

Bahn für Bahn.

Der Ironman ist dadurch natürlich nicht plötzlich einfach geworden. Die Waage bewegt sich immer noch langsamer als mir lieb ist. Auf dem Rad gibt es noch viel Arbeit. Und die eigentlichen Trainingsumfänge kommen erst noch.

Alle drei Distanzen hintereinander bleiben natürlich weiterhin komplett krank.

Aber etwas hat sich verändert.

Ein großes Fragezeichen ist verschwunden.

Kann ich jede Distanz in den einzelnen Disziplinen mit genügend Kampfgeist bewältigen?

Ja.

Und das ist ein Meilenstein für mein Projekt:

IRONMAN

Nach oben scrollen