Ich hatte diese Woche nicht vor, einen persönlichen Rekord zu schwimmen.
Eigentlich wollte ich nur eine ruhige Einheit machen.
Nicht überziehen. Nicht nach jeder Bahn auf die Uhr schauen. Einfach sauber schwimmen. Hoher Ellenbogen bei der Recovery. Arm lang nach vorne bringen. Rhythmus halten.
Also genau die Sorte Training, die von außen ungefähr so spannend aussieht wie Farbe beim Trocknen.
Und dann passierte etwas, womit ich überhaupt nicht gerechnet hatte.
Irgendwann während der Einheit dachte ich plötzlich:
„Moment mal. Das fühlt sich ja komplett anders an.“
Nicht ein bisschen besser.
Nicht minimal effizienter.
Anders.
Ich merkte auf einmal, dass mein Arm viel freier nach vorne kam. Dass Schulter und Oberarm nicht mehr ständig durchs Wasser pflügten wie ein Traktor durch einen Acker. Dass plötzlich deutlich weniger Widerstand da war.
Und während ich noch darüber nachdachte, kam direkt der nächste Gedanke:
„Das kann doch jetzt nicht nur an diesem verdammten Ellenbogen liegen.“
Ich schwimme seit Wochen durch die Gegend wie jemand, der versucht, mit angezogener Handbremse Fahrrad zu fahren, und jetzt soll ausgerechnet diese eine technische Kleinigkeit einen Unterschied machen?
Offenbar ja.
Je länger ich schwamm, desto absurder wurde das Ganze.
Nicht weil ich schneller wurde.
Sondern weil ich nicht müde wurde.
Oder zumindest nicht in der Art, wie ich es gewohnt war.
Normalerweise kommt irgendwann der Punkt, an dem man anfängt auszuhandeln, wie viele Bahnen noch sinnvoll sind. Das kleine Gespräch im Kopf beginnt. Vielleicht reicht es ja auch. Vielleicht war das heute genug.
Diesmal kam dieses Gespräch nicht.
Nach 1000 Metern schaute ich auf die Uhr und dachte:
„Wie bitte? Erst 1000?“
Das war wahrscheinlich der eigentliche Aha-Moment.
Nicht die Technik.
Nicht die Pace.
Sondern die Tatsache, dass mein erster Gedanke nicht war aufzuhören.
Mein erster Gedanke war:
„Ich könnte einfach weiterschwimmen.“
Und genau in diesem Moment musste ich fast lachen.
Vor fünf Wochen war Schwimmen die Disziplin, bei der ich ernsthaft nicht wusste, wie daraus irgendwann einmal 3,8 Kilometer werden sollen. Nach 100 oder 200 Metern war regelmäßig klar, dass mein Körper und das Wasser noch keine enge Freundschaft geschlossen hatten.
Und jetzt schwimme ich über 1500 Meter am Stück und überlege, ob ich noch weitermachen soll.
Das war der Moment, in dem es Klick gemacht hat.
Nicht weil ich plötzlich ein Schwimmer geworden bin.
Davon bin ich noch weit entfernt.
Sondern weil ich zum ersten Mal verstanden habe, wie sich effizientes Schwimmen überhaupt anfühlen kann.
Am Ende standen 1518 Meter auf der Uhr.
Persönlicher Rekord.
Aber ehrlich gesagt war mir die Zahl fast egal.
Das Wertvolle war dieses Gefühl.
Dieses kurze, fast irritierende Gefühl, dass plötzlich nicht mehr alles gegen mich arbeitet.
Der Ironman ist deshalb natürlich nicht plötzlich um die Ecke.
Der Weg ist immer noch lang.
Aber zum ersten Mal seit Beginn des Projekts fühlt sich Schwimmen nicht mehr an wie ein Anker, der permanent nach unten zieht.
Eher wie ein Anker, den jemand ein gutes Stück aus dem Schlamm gezogen hat.
Und allein das ist wahrscheinlich mehr Fortschritt, als jede Uhr oder Statistik ausdrücken kann.