Diese Woche war ein ziemlicher Mix aus:
- Training läuft eigentlich gut
- Körper macht komische Dinge
- und der Erkenntnis, dass Fortschritt oft deutlich unspektakulärer aussieht als gedacht.
Erstmal Pause statt komplettes Eskalieren
Die Woche fing mit Reizhusten und ziemlich nervigen Nächten an.
Pollen haben komplett reingeschallert.
Teilweise nachts ständig wach geworden weil der Hals einfach beschlossen hat, nicht mehr mitzuarbeiten.
Früher wäre ich wahrscheinlich trotzdem laufen gegangen.
Einfach weil:
„Ach das geht schon irgendwie.“
Mittlerweile merke ich aber langsam:
Nicht jede ausgelassene Einheit macht einen direkt unsportlich.
Und tatsächlich blieben:
- HRV
- Ruhepuls
- Recovery
erstaunlich stabil.
Das war wahrscheinlich das erste Mal, dass ich wirklich das Gefühl hatte:
Der Körper verarbeitet Training inzwischen besser statt einfach nur alles irgendwie auszuhalten.
Der Long Run hatte andere Pläne
Der Lauf diese Woche war ebenfalls speziell.
Eigentlich sollte das einfach eine lockere längere Einheit werden.
Stattdessen:
komplettes Sodbrennen in der ersten halben Stunde.
Und nichts bringt einen mehr in einen meditativen Laufzustand als das Gefühl gleichzeitig:
- joggen
- aufstoßen
- und innerlich brennen zu müssen.
Trotzdem war die Einheit eigentlich ziemlich ordentlich:
- 9.5 km
- 76 Minuten
- Durchschnittspuls 150.
Das Interessante:
Vor ein paar Wochen hatte ich bei ähnlicher Pace noch eher Richtung 165 bpm.
Das merkt man im Alltag kaum.
Aber genau solche Sachen zeigen Fortschritt deutlich besser als irgendwelche heroischen Einheiten.
Krafttraining bleibt weiterhin wichtig
Da der Husten teilweise noch genervt hat, wurde zwischendrin lieber Krafttraining gemacht statt krampfhaft Cardio zu erzwingen.
Unter anderem:
- RDL bis 130×5
- enges Bankdrücken
- Chin-Ups
- Trizeps
- Abwheel.
Und ehrlich:
Das war wahrscheinlich deutlich sinnvoller.
Ich merke langsam:
Trainingsintelligenz bedeutet manchmal einfach, nicht komplett unnötig stur zu sein.
Schwimmen bleibt verrückt… aber weniger verrückt
Das Highlight der Woche war wahrscheinlich die Schwimmeinheit.
Oder besser gesagt:
die Tatsache, dass plötzlich 500 Meter am Stück funktioniert haben.
Vor ein paar Wochen haben sich 100 Meter entspannt kraulen noch fast unmöglich angefühlt.
Jetzt waren es:
550 Meter am Stück.
Nicht schnell.
Nicht elegant.
Und wahrscheinlich immer noch mit der Wasserlage eines leicht verängstigten Kühlschranks.
Aber:
kontrollierter.
Die Uhr hat währenddessen übrigens teilweise komplett aufgegeben und irgendwelche Fantasie-Splits produziert.
Fairerweise:
ich sah vermutlich auch nicht unbedingt aus wie sauberes Schwimmen.
Warum ich aktuell kaum von der Wand abstoße
Ich habe beim Schwimmen diese Woche bewusst angefangen,
mich fast gar nicht mehr von der Wand abzustoßen.
Einfach drehen und direkt weiterschwimmen.
Der Gedanke dahinter war eigentlich ziemlich simpel:
Im Freiwasser gibt’s später auch keine Wand,
die mich wie eine kleine Rakete durchs Wasser schießt.
Mit starkem Abstoß fühlt man sich kurz schneller und effizienter.
Das Problem:
Danach muss man trotzdem selbst schwimmen.
Ohne großen Push merkt man ziemlich ehrlich:
- ob die Wasserlage wirklich passt
- ob die Atmung ruhig bleibt
- oder ob man sich eigentlich nur von Wand zu Wand rettet.
Und ich glaube genau deshalb haben sich die 500 Meter am Stück diesmal auch deutlich „echter“ angefühlt als manche vorherigen Einheiten.
Nicht schön.
Nicht elegant.
Aber eben wirklich geschwommen.
Konfirmation, viel Essen und fast 3 Stunden Rad
Am Wochenende war dann Konfirmation.
Also:
viel Essen,
viel sitzen,
und definitiv nicht der klassische „optimal vorbereitete Ausdauersportler“-Tag.
Trotzdem bin ich danach noch aufs Rad.
Am Ende wurden es:
- 65 km
- knapp 3 Stunden
- Durchschnittspuls 143.
Dazu:
- 1.25 Liter getrunken
- ein Energiepack dabei
- und trotzdem wahrscheinlich ordentlich Kalorien umgesetzt.
Und ehrlich:
früher hätte ich wahrscheinlich gedacht,
dass nur komplett zerstörende Einheiten „richtiges Training“ sind. Ich wäre wieder mit 160-170 durch die Gegend geknallt – mit Entergebniss 3 Tage Muskelkater.
Mittlerweile merke ich:
Fast drei Stunden sauber Grundlage fahren fühlt sich erstmal ziemlich unspektakulär an.
Bis man irgendwann merkt,
dass man plötzlich fast drei Stunden Rad fährt ohne komplett zu implodieren.
Gerade mit meinem aktuellen Gewicht bringt mir so eine lange kontrollierte Radeinheit wahrscheinlich deutlich mehr als komplett sinnlos beim Laufen zu eskalieren und danach drei Tage wie ein alter Einkaufswagen herumzulaufen und man kann sich Zeitnah am nächsten Tag wieder bewegen.
Das eigentliche Learning der Woche
Die Woche war insgesamt nicht spektakulär.
Keine riesigen Rekorde.
Keine kompletten Eskalationen.
Keine „mental stärker als alle anderen“-Momente.
Aber:
- niedrigere Herzfrequenz
- stabilere Recovery
- kontrolliertere Einheiten
- längere Belastungen
- weniger Chaos im Wasser.
Und langsam verschiebt sich etwas.
Dinge die sich vor ein paar Wochen noch wie komplette Ausnahmezustände angefühlt haben, werden plötzlich einfach im Training. Wo früher Tage der Erholung nötig waren, gehts jetzt am nächsten Tag schon weiter.